NOHABs und Lava

Di3 im Bauzugeinsatz auf Sizilien

Sieben Monate nach unserem Sizilien-Besuch in 2009 tauchten Fotos von der angeblich bereits verschrotteten Di3.630 auf, die ein italienischer Eisenbahnfreund im Bahnhof Comiso zufällig fotografiert hatte (hier der Link).
Hätten wir das damals schon gewusst, wäre ein Besuch in Comiso natürlich schon 2009 Pflicht gewesen! Übrigens wurden von Google StreetView auf Sizilien wohl auch alle Nebenstraßen abgefahren, jedenfalls ist die 630 auch dort zu entdecken.

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Für April 2011 hatten wir dieses Mal zu sechst wieder eine Reise nach Sizilien geplant, um insbesondere die verschollen geglaubte 630 sowie die anderen drei noch im Einsatz stehenden Di3 aufzusuchen. Der Versuch, vor der Abreise an Informationen über die Standorte der Di3 heranzukommen, war nur mäßig erfolgreich. So erfuhren wir, dass die 630 (wieder einmal) verschrottet worden sein soll. Konnten wir das nun glauben? Die 622 und 626 sollten in Messina stehen und über einen sizilianischen Einsebahnfreund wurde das bestätigt. Die 631 wiederum sollte in Roccapalumba im Landesinneren stehen.

Am 08.04. ging es dann los und wir wollten zuerst vom Flughafen in Catania nach Comiso fahren und hatten uns deswegen dort eine Unterkunft besorgt. Dann kam die bittere Enttäuschung: die 630 war tatsächlich weg, das Gleis war leer! Das fing ja gut an....

Also noch schnell eine Pizza gegen Hunger und Frust eingeworfen und ab ins Bett. Am nächsten Morgen ging es gleich weiter Richtung Roccapalumba. Das Wetter war herrlich und die sonst eher trostlos-trockene sizilianische Landschaft blühte und grünte frühlingshaft.

Sizilianischer Frühling
Sizilianischer FrühlingFrank-Marc Siebert Bei Butera, 09.04.2011

Durch unsere vorherigen Reisen nach Sizilien wissen, wie die vorliegenden Informationen italienischer Natur einzuordnen sind. Man kann sie als wertvolle Hinweise betrachten, sollte sich aber nie darauf verlassen. Gleiches gilt für italienische Zeitangaben! Hinzu kommt eine für mitteleuropäische Verhältnisse unvorstellbare Sprachbarriere, denn außerhalb der Touristenzentren geht mit Englisch tatsächlich gar nichts. Spricht man selbst kein italienisch, hat man ein Problem. Um also sicherzugehen, die gesuchten Bauzugloks auch wirklich zu finden, haben wir zwei Gruppen gebildet und sind mit unseren beiden Mietwagen getrennte Wege gefahren. Dabei wurden möglichst viele Unterwegsbahnhöfe angefahren, um nach Bauzugloks Ausschau zu halten. Neben den Di3 befinden sich in Sizilien u. a. auch ehemailge SNCB-Loks der Baureihen 60 und 51 sowie ex-DB V60, V100 und Köf. Ein erstes Erfolgserlebnis hatte Team 1 in Licata, wo eine SNCB-51 stand.

SNCB-61
SNCB-61Ulf Häger Licata, 09.04.2011

Während Team 1 an der Küste entlang und dann von Agrigent ins Landesinnere fuhr, nahm Team 2 den Weg von Comiso über Caltanissetta Richtung Roccapalumba. Hinter Santa Caterina Villarmosa trafen wir dann auf folgende Verkehrssituation. Die Richtung Palermo ausgeschilderte "Hauptstraße" war ohne jeden weiteren Hinweis plötzlich voll gesperrt. Die nach rechts abzweigende "Wichtige Hauptstraße SP 112", über die wir ebenfalls nach Roccapalumba hätten fahren können, erwies sich als besserer Feldweg mit gelegentlichen Asphaltabschnitten! Glücklicherweise hatten wir uns in Santa Caterina was zu Essen besorgt und machten Rast mit tollem Vulkanblick auf den Ätna.

Ätna
ÄtnaFrank-Marc Siebert Bei Santa Caterina Villarmosa, 09.04.2011

Genau in diesem Moment bekamen wir die Nachricht, dass Team 1 die Di3.631 im Bahnhof Campofranco 45 Kilometer südlich von Roccapalumba entdeckt hatte! Ein Blick auf die Karte ergab, dass der kürzeste und schnellste Weg nach Compofranco wohl zurück über Caltanissetta führt. Unterwegs checkten wir den Bahnhof Canicatti, wo wir in der Bahnhofsbar den besten Cappuchino dieses Urlaubs getrunken haben. Kostenpunkt € 1,-! In Campofranco stand die NOHAB in nördlicher Richtung vor einem beladenen Schotterzug abgestellt und damit gegen 15 Uhr noch nicht optimal im Licht.

Di3.631
Di3.631Frank-Marc Siebert Bahnhof Campofranco, 09.04.2011

Aus der anderen Richtung konnte man die Lok im besten Licht mit dem hübschen Ort Sutera am Fuße eines eindrucksvollen Felsens aufnehmen.

Di3.631
Di3.631Frank-Marc Siebert Bahnhof Campofranco, 09.04.2011

Im Bahnhof standen zeitweilig zwei FS-Regionalzüge des dort üblichen Typs Minuetto, was ungewöhnlich war. Vor allem fuhr keiner weiter Richtung Norden. Aushänge am Bahnhof informierten über eine Streckensperrung an diesem Wochenende zwischen Campofranco und Cammarata. Das verhieß Einsätze der Di3!

Minuettos
MinuettosFrank-Marc Siebert Bahnhof Campofranco, 09.04.2011

Team 1 war inzwischen nach Roccapalumba weitergefahren und wir fuhren eine Bergstraße hinauf, um den Bahnhof von oben aufzunehmen. Im vorderen Teil des Bahnhofs wurde der Schotter gelagert, der mittels Bagger in die Waggons verladen werden sollte.

Di3.631
Di3.631Frank-Marc Siebert Bahnhof Campofranco, 09.04.2011

Die Meldung aus Roccapalumba ergab eine SNCB-60 und ein Deutz 3-Kuppler. Also fuhren wir ebenfalls los, um die Wartezeit auf einen besseren Sonnenstand sinnvoll zu nutzen. Die SNCB-60 stand zwar hübsch in der Sonne, hat aber eine gruselige Farbe abbekommen!

SNCB-60
SNCB-60Ulf Häger Bahnhof Roccapalumba, 09.04.2011

Die Deutz-Lok scheint schon dort in Roccapalumba abgestellt zu sein, denn sie ist sogar in Google StreetView zu sehen!

Deutz
DeutzFrank-Marc Siebert Bahnhof Roccapalumba, 09.04.2011

Auf dem Weg nach Roccapalumba kamen wir an dem gesperrten Streckenabschnitt vorbei, auf dem fleissig gearbeitet wurde. Es wurde eine neues Gleis verlegt, vermutlich eine Streckenbegradigung. Neben zahlreichen Baggern war auch eine Gleisstopfmaschine vor Ort. Als wir in Campofranco wieder ankamen, war schönstes Abendlicht, aber auch schon erste Schatten auf der Lok. Leider kam das Licht nicht ganz rum. Dafür ist die Lok wohl erst vor kurzem neu lackiert worden.

Di3.631
Di3.631Frank-Marc Siebert Bahnhof Campofranco, 09.04.2011

Team 1 hatte zwischenzeitlich an der Hauptstraße in der Nähe ein Quartier klar gemacht. Nun war es 18 Uhr und Zeit zum Einchecken. Danach wollten wir nach Sutera hochfahren, um die eindrucksvolle Lage des Ortes von oben zu genießen. Dort gab es ein Ristorante, wo wir beste sizilianische Küche genießen konnten. Für sechs Personen haben wir inkl. Getränke € 60,- gezahlt. Ein Traum!

Sutera
SuteraFrank-Marc Siebert Sutera, 09.04.2011

Nach dem Essen ging es zurück zum Bahnhof Campofranco, um die Lage zu peilen. Es war nicht unwahrscheinlich, dass der Schotterzug in der Nacht in die Baustelle einfahren könnte. Und siehe da, der Motor der 631 lief und die Lampen waren eingeschaltet! Leider war der Bahnhof unbeleuchtet, also wurde schnell ein Auto so hingestellt, dass das Fernlicht die Lok beleuchtete.

Di3.631
Di3.631Ulf Häger Bahnhof Campofranco, 09.04.2011

Kurze Zeit später zog die Fuhre an den Bahnsteig vor. Dort versuchten wir dem Personal klar zumachen, dass wir nur das harmlose Ansinnen hatten, Fotos zu machen und zeigten welche herum. Auf meine Frage an den Lokführer, ob er vielleicht etwas englisch oder sogar deutsch spräche, grinste er mich an und sagte auf italienisch, er sei Sizilianer. Ach so, na dann! Jedenfalls war jetzt das Eis gebrochen und wir durften unsere Fotos machen, allerdings kein Gleis überschreiten (pericoloso!).

Di3.631
Di3.631Ulf Häger Bahnhof Campofranco, 09.04.2011

Gegen 22:00 Uhr fuhr der Zug Richtung Baustelle aus und ein Teil von uns folgte ihm. Unterwegs hielten wir mehrmals an und stoppten den Motor, um den Sound des bergwärts fahrenden Zuges zu erleben. Es war ein eindrucksvolles Erlebnis. Am nächsten Morgen waren die Ausgeschlafenen zeitig am Bahnhof, um die Lage zu peilen. Bei der 631 lief der Motor! Deswegen klingelte bei den Nachtschwärmern das Telefon und wir mussten los. Der Zug stand auf dem letzten Gleis und wurde gerade mit Schotter beladen. Leider stand die Lok dabei im Schatten.

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Di3.631Frank-Marc Siebert Bahnhof Campofranco, 10.04.2011

Um die 631 in der Sonne zu bekommen, mussten wir warten, bis sie den Zug zurückdrückte.

Di3.631
Di3.631Ulf Häger Bahnhof Campofranco, 10.04.2011

Wie am Abend zog sie ihren Zug dann vor an den Hausbahnsteig.

Di3.631
Di3.631Frank-Marc Siebert Bahnhof Campofranco, 10.04.2011

Nun hieß es Motive an der Strecke zu finden. Für alle von uns war es das erste Mal, dass wir eine Di3 in Italien mit einem Zug auf der Strecke erleben durften! Direkt hinter dem Bahnhof Campofranco donnerte die Di3 mit ihrem Zug und einer ordentlichen Abgasfahne den Berg hoch.

Di3.631
Di3.631Frank-Marc Siebert Hinter Campofranco, 10.04.2011

Wenige Meter weiter querte die Fuhre den Fluß.

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Di3.631Ulf Häger Hinter Campofranco, 10.04.2011

Am gleichen Standort gabs dann noch einen Seitenschuss mit Orangenbäumchen im Vordergrund.

Di3.631
Di3.631Frank-Marc Siebert Hinter Campofranco, 10.04.2011

Spätestens ab jetzt wurde italienisch gefahren, um vor dem Zug die nächste Fotostelle zu erreichen. Das war nicht ganz ohne, denn am Vortag haben wir auf dieser Straße eine mobile und mehrere feste Radarfallen gesehen. Aber hier mussten klare Prioritäten gesetzt werden. Auf Höhe von Casteltermini verläuft die Straße direkt neben der SS 189.

Di3.631
Di3.631Frank-Marc Siebert Bei Casteltermini, 10.04.2011

Der Lokführer der 631 hatte inzwischen herausbekommen, dass er mit höheren Fahrstufen bei uns auf Wohlwollen stieß und drehte den Regler auf, sobald er uns sah!

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Di3.631Ulf Häger Bei Casteltermini, 10.04.2011

Wenige Kilomter weiter legte sich der Zug wieder in eine Rechtskurve. Es war erst 07:15 Uhr und die Sonne stand nur dann gut, wenn die Strecke leicht nach Osten verlief.

Di3.631
Di3.631Ulf Häger Bei Casteltermini, 10.04.2011

An gleicher Stelle gabs noch ein schönes Motiv mit Gebirgsstufe und Betonbrücke.

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Di3.631Frank-Marc Siebert Bei Casteltermini, 10.04.2011

Kurz vor der Baustelle befuhr der Zug eine schöne Fachwerkbrücke. Leider verlief eine Leitung direkt vor der Lok.

Di3.631
Di3.631Frank-Marc Siebert Bei San Giovanni Gemini, 10.04.2011

Mit Fluss sah es auch schön aus!

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Di3.631Ulf Häger Bei San Giovanni Gemini, 10.04.2011

Wenige Meter weiter hielt der Zug direkt vor einem Bahnübergang an. Hier musste jetzt abgewartet werden, bis die Strecke zum Schottern frei wird.

Di3.631
Di3.631Frank-Marc Siebert Bei San Giovanni Gemini, 10.04.2011

Das Warten sollte etwas dauern und so kamen wir mit den Kollegen vom Zug (Lokführer und Rangierer) "ins Gespräch". Vorsorglich hatten wir Fotos von unseren letzten NOHAB-Touren auf Sizilien mitgenommen, die wir vorzeigten. Der Lokführer fing dann plötzlich an zu Lachen und erkannte sich auf meinem Bild der 631 aus Ali Terme vom 22.09.2009 wieder! Auch den Fahrer des Baggers erkannte er wieder. Er war gerade mit einem Bagger auf dem Baugleis unterwegs und wurde sofort herangerufen. Natürlich wurden wir nun auch auf den Führerstand gebeten. Offensichtlich hat jede NOHAB bei Globalfer ihren Stammlokführer. Das erklärt auch, warum der Lokführer, der am Abend zuvor seinen Dienst vor 21 Uhr begonnen haben musste, immer noch auf der Lok war!

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Di3.631Frank-Marc Siebert Bei San Giovanni Gemini, 10.04.2011

Zwischendurch ging dann plötzlich die Schranke runter, vermutlich hatte ein Bagger Achskontakte befahren.

Di3.631
Di3.631Ulf Häger Bei San Giovanni Gemini, 10.04.2011

Neben dem sensationellen Wetter kam jetzt auch die neue Lackierung der 631 mit ihren gelben Aufstiegen richtig gut zur Geltung. 2009 hatte diese Lok übles Graffiti auf einer Seite.

Di3.631
Di3.631Frank-Marc Siebert Bei San Giovanni Gemini, 10.04.2011

Inzwischen hatten wir erfahren, dass der Bruder des Rangierers Buscemi Francesco in Deutschland arbeitet und er selbst schon im Museum Sinsheim war. Das hatte allerdings etwas gedauert, denn Sinsheim fiel im nicht mehr ein und erkärte uns dann mehrmals auf italienisch, was er meinte. Wir sind dann irgendwann drauf gekommen. Unser Lokführer Salvatore Miceli war dann so nett, von uns ein Gruppenfoto vor seiner Lok zu machen. Von links nach rechts Jens Homann, Ulf Häger, Frank-Marc Siebert, Jürgen Koll, Wolfgang Mahler und Armand Schmit.

Di3.631
Di3.631Frank-Marc Siebert Bei San Giovanni Gemini, 10.04.2011

Dann kam ein 5er BMW über die Schotterpiste herangefahren. Laut dem Lokführer der Chef. Und tatsächlich handelte es sich um einen der Geschäftsführer von Globalfer, Oscar Esposito, der uns seine Visitenkarte in die Hand drückte. Die Hoffnung auf jemanden mit Englischkenntnissen zerschlug sich recht schnell, aber zumindest erfuhren wir, dass es im Unternehmen, das bei Neapel ansässig ist, genau einen Mitarbeiter gäbe, der englisch spricht! Da könnten wir dann mal anrufen. Na dann... Jedenfalls fragte dann der Rangierer, nachdem wir Ihnen unsere Homepage gezeigt hatten, ob wir sie nicht fotografieren wollten, damit sie auch mal ins Internet kämen! Aber gerne.

Salvatore Miceli, Oscar Esposito und Buscemi Francesco vor Di3.631
Salvatore Miceli, Oscar Esposito und Buscemi Francesco vor Di3.631Frank-Marc Siebert Bei San Giovanni Gemini, 10.04.2011

Inzwischen waren wir schon mehr als 1,5 Stunden vor Ort und uns wurde nicht langweilig. Plötzlich kamen zwei Bagger aus Richtung Baustelle angefahren und wurden intensiv vom Personal begutachtet.

Di3.631 und Bagger
Di3.631 und BaggerFrank-Marc Siebert Bei San Giovanni Gemini, 10.04.2011

Anschliessend gleisten sie dann am BÜ nacheinander ab, um sich neben das Gleis zu stellen und unserem Zug das Baugleis frei zu machen.

Di3.631 und Bagger
Di3.631 und BaggerFrank-Marc Siebert Bei San Giovanni Gemini, 10.04.2011

Aber noch war es nicht so weit. Zuerst kreuzte noch eine Schafherde das Gleis! Es war wie bestellt!

Di3.631
Di3.631Ulf Häger Bei San Giovanni Gemini, 10.04.2011

Inzwischen war es 9:05 Uhr und das Schottern ging noch immer nicht los. Stattdessen kam eine Gleisbaumaschine angefahren und parkte vor der Di3.

Di3.631 und Gleisbaumaschine
Di3.631 und GleisbaumaschineFrank-Marc Siebert Bei San Giovanni Gemini, 10.04.2011

Ein Teil der Truppe machte sich dann auf Richtung Termini Imerese, wo in 2009 ein Depot für die Bauzüge eingerichtet war. Da wir alle noch nicht gefrühstückt hatten und, was viel schwerer wiegt, noch keinen Cappuchino hatten, machten wir uns auf zu einer Bar, wollten aber zum Schottern wieder zurück sein. Auf der Straße aus machten wir noch ein Bild von der Szene. Bemerkenswert war die Schotterpiste durch das Flussbett, über den der BÜ erreicht werden konnte.

Di3.631
Di3.631Frank-Marc Siebert Bei San Giovanni Gemini, 10.04.2011

Als wir zurückkamen, setzte sich der Schotterzug gerade in Bewegung.

Di3.631
Di3.631Frank-Marc Siebert Bei San Giovanni Gemini, 10.04.2011

Die Hintergrundkulisse war super, im Vordergrund gab es sogar Blumen.

Di3.631
Di3.631Ulf Häger Bei San Giovanni Gemini, 10.04.2011

Ab jetzt wurde auf einem Streckenstück von vielleicht 300 Metern Länge ständig hin und her gefahren, um die einzelnen Schotterwagen zu entleeren.

Di3.631
Di3.631Frank-Marc Siebert Bei San Giovanni Gemini, 10.04.2011

Sie Sonne stand jetzt schon fast im Süden, wodurch Nachschüsse gutes Licht hatten.

Di3.631
Di3.631Frank-Marc Siebert Bei San Giovanni Gemini, 10.04.2011

Die Lage der Baustelle hätte nicht besser sein können, denn die Straße verlief mit etwas Abstand parallel zur Strecke und wir hatten gute Sicht auf den Gleisabschnitt!

Di3.631
Di3.631Frank-Marc Siebert Bei San Giovanni Gemini, 10.04.2011

Die Gleisbaumaschine, die den Schotter begradigte, fuhr dicht hinter der 631 her, die ihren Schotterzug zurückdrückte und dabei den letzten Waggon leerte. Im Hintergrund rechts ist der 1.578 Meter hohe Monte Cammarata zu erkennen.

Di3.631
Di3.631Ulf Häger Bei San Giovanni Gemini, 10.04.2011

Gegen 11:30 Uhr machte sich die 631 dann auf den Rückweg über die Brücke zurück nach Campofranco. Der Lokführer Salvatore hatte bin dahin wohl schon über 14 Stunden Dienst getan!

Di3.631
Di3.631Frank-Marc Siebert Bei San Giovanni Gemini, 10.04.2011

Hinter der Brücke bildeten die Berge einen schönen Hintergrund.

Di3.631
Di3.631Frank-Marc Siebert Bei San Giovanni Gemini, 10.04.2011

Wegen fehlender Umsetzmöglichkeit musste der Zug bis zum Bahnhof Campofranco geschoben werden und stand dadurch jetzt äußerst schlecht im Licht, gegen die Fahrtrichtung war es aber o.k.

Di3.631
Di3.631Frank-Marc Siebert Bei Casteltermini, 10.04.2011

Schöne Motive gab es trotzdem reichlich, hier mit Blume.

Di3.631
Di3.631Frank-Marc Siebert Bei Casteltermini, 10.04.2011

Das Motiv an der Brücke kurz vor Campofranco machten wir von der Tankstelle aus mit Schimmel.

Di3.631
Di3.631Frank-Marc Siebert Bei Campofranco, 10.04.2011

In Campofranco fuhr Salvatore den Zug gleich wieder auf das hintere Gleis, damit wieder Schotter geladen werden kann. Er selbst hatte wohl jetzt endlich Feierabend und stellt den Motor der 631 ab. Nun fuhren auch wir weiter. Die andere Truppe hatte inzwischen gemeldet, dass in Termini Imerese keine Bauzugloks zu finden sind. Also wählten wir den direkten Weg nach Messina über Enna und dann die über die Autobahn an Catania vorbei. In Enna stand ein Deutz C-Kuppler mit der Seriennummer 57414.

Deutz
DeutzFrank-Marc Siebert Bahnhof Enna, 10.04.2011

Auf dem Weg von Campofranco über Enna Richtung Catania haben wir eine ungewöhnliche Wolke über dem Ätna gesehen, die aufgrund ihrer Säulenform keine reine Kondensationswolke sein konnte. Ich vermutete einen Ausbruch des Vulkans, aber so richtig glauben wollten wir das noch nicht. Von der Autobahn machten wir dann während der Fahrt einige Fotos.

Ätna
ÄtnaFrank-Marc Siebert Vor Catenuova, 10.04.2011

Hinter Catania konnten wir es dann schon mit bloßem Auge erkennen: Es hatte einen Ausbruch mit Lavastrom hinab ins Valle del Bove gegeben! Wir fuhren auf einen Parkplatz, um ein paar Fotos zu machen.

Ausbruch Ätna
Ausbruch ÄtnaFrank-Marc Siebert Hinter Catania, 10.04.2011

Bei Tageslicht ist das Leuchten der Lava natürlich nicht zu erkennen, aber die Ausgasungen und der verdampfende Schnee auf dem 3.330 Meter hohen Ätna markieren den Lavastrom. Inzwischen zog die Aschewolke über uns hinweg und verdunkelte die Sonne.

Aschewolke Ätna
Aschewolke ÄtnaFrank-Marc Siebert Hinter Catania, 10.04.2011

In den 20 Minuten, die wir auf dem Parkplatz standen, landete ein Teil der Asche auf unserem Autodach. Inzwischen haben wir recherchiert, das das der erste Ausbruch des aktiven Vulkans seit Februar 2011 war. Da haben wir richtig Glück gehabt, genau an diesem Tag vor Ort zu sein!

Asche vom Ätna
Asche vom ÄtnaUlf Häger Hinter Catania, 10.04.2011

Wir fuhren weiter zum Bahnhof Taormina und fanden eine ehemalige DB-Köf II, die heute der Firma LILLY Construzioni gehört. Eine ex-SNCB-51er stand in der Bahnhofsausfahrt, war aber absolut unfotografierbar.

Köf II
Köf IIFrank-Marc Siebert Bahnhof Taormina, 10.04.2011

Weiter ging es nach Ali Terme, wo wir 2009 die Di3.631 entdeckt hatten. Wir fanden eine gelb lackierte ex DB-V60, die 2009 während unseres Besuchs in Termini Imerese ihre gelbe Lackierung erhalten hatte.

V60
V60Frank-Marc Siebert Bahnhof Ali Terme, 10.04.2011

Natürlich fuhren wir in Messina vorbei, um uns dort umzusehen, wo die anderen beiden Di3 stehen sollten. Wir wussten schon, dass das Gelände am Wochenende abgesperrt ist, konnten die Loks aber bereits von außen sehen. Danach fuhren wir weiter an die Nordküste, wo wir in Santa Saba ein Quartier fanden, als gerade die Sonne unterging.

Sonnenuntergang
SonnenuntergangFrank-Marc Siebert Santa Saba, 10.04.2011

Nach dem Erlebnis mit dem Vulkanausbruch stand für einige von uns fest, in der Dunkelheit nochmal zum Ätna zurückfahren zu müssen. Schließlich hatten wir auch einen echten Geologen dabei, für den das ein absolutes Pflichtprogramm war. Also fuhren wir gegen 21 Uhr zu viert die 95 Kilometer zurück. Abendessen gabs im Auto. Oberhalb Fornazzo am Fuße des Ätna hielten wir dort an, wo die Straße einen alten Lavastrom durchquert, bauten die Stativ auf und machten mit 300mm Brennweite Fotos vom Lavastrom.

Ätna-Lavastrom
Ätna-LavastromFrank-Marc Siebert Bei Fornazzo, 10.04.2011

Langzeitbelichtungen brachten den immer noch stark rauchenden Krater gut zur Geltung. Eigentlich war war stockdunkle Nacht, solche Bilder ermöglichte erst der Fotoapparat. Mit bloßem Auge waren nur die etwa 2-3 hellsten Lavaflecken zu erkennen.

Ätna-Lavastrom
Ätna-LavastromUlf Häger Bei Fornazzo, 10.04.2011

Wer sich dafür interessiert, findet hier eine genaue Beschreibung des Ausbruchs vom 10.04.2011. Gegen 2:00 Uhr in der Nacht waren wir zurück im Hotel und froh, diesen Ausflug gemacht zu haben. Am nächsten Morgen sind wir nach Messina gefahren. Das Gelände, auf dem die Bauzüge und -loks abgestellt sind, war nun zugänglich, das Tor war offen. Wir sind dann mit beiden Autos einfach auf das Gelände gefahren und sind zuerst zur Di3.622 gegangen. Die 626 stand so, dass sie erst am Nachmittag aufgenommen werden konnte.

Di3.622
Di3.622Frank-Marc Siebert Messina, 11.04.2011

Von der anderen Seite lag noch etwas Schatten auf der Lok, deswegen sind wir erstmal in den hinteren Teil des Geländes gefahren, wo weitere Bauzugloks abgestellt waren. Neben der ex-SNCB 5107 stand die 6019. Beide tragen noch ihre SNCB-Farben.

5207 und 6019
5207 und 6019Ulf Häger Messina, 11.04.2011

Eine ehemalige FS-Diesellok in ungewohnter blauer Farbgebung stand auch dort.

FS-Diesellok
FS-DiesellokFrank-Marc Siebert Messina, 11.04.2011

Um die 622 ohne Schatten aufnehmen zu können, mussten wir noch etwa eine Stunde warten und sind erstmal wieder vom Gelände gefahren. Etwas später stand sie dann schön in der Sonne.

Di3.622
Di3.622Ulf Häger Messina, 11.04.2011

Im Gegensatz zur 631 hatte die 622 wohl keinen Neulack erhalten. Zumindest sah sie in 2009 genauso aus.

Di3.622
Di3.622Frank-Marc Siebert Messina, 11.04.2011

Für die 626 mussten wir noch bis nachmittags warten, ehe sie richtig im Licht stand, und sind solange durch Messina gebummelt. Gegen 14:00 Uhr sind wir dann nochmal aufs Gelände gefahren. Die 626 stand beidseitig von Waggons zugestellt.

Di3.626
Di3.626Ulf Häger Messina, 11.04.2011

Auch 626 hatte eine Neulackierung erhalten und glänzte in der Sonne. Ihr Schwellenzug ist tagsüber beladen worden.

Di3.626
Di3.626Frank-Marc Siebert Messina, 11.04.2011

Damit war dann der NOHAB-Teil der Reise beendet. Da wir nicht genau wussten, ob der Ätna noch weiter aktiv gewesen ist, wollten wir die Nacht in der Nähe des Vulkans verbringen und eine Wanderung ins Valle del Bove unternehmen. Wir fanden eine tolle Unterkunft in Sant' Alfio gefunden und sind am Abend bei Tageslicht den Berg raufgefahren. Dabei haben wir wieder den alten Lavastrom durchquert, der sich vor ein paar Jahren Richtung Fornazzo bewegt hatte.

Lavastrom
LavastromFrank-Marc Siebert Bei Fornazzo, 11.04.2011

Nordwestlich Fornazzo parkten wir die Autos und marschierten einen Pfad Richtung Valle del Bove. Er führt den meisten Teil über den alten Lavastrom hinweg durch euine bizarre Mondlandschaft. Da ein Restaurantbesuch ausfallen musste, hatten wir reichlich Proviant und Taschenlampen dabei. Unterwegs sahen wir ein Haus, das von der Lava umflossen wurde, aber stehenblieb.

Lavastrom
LavastromUlf Häger Im Valle del Bove, 11.04.2011

Es war zwar eine wunderbare, sterneklare Nacht in beeindruckender Vulkanlandschaft, aber frische Lava war nicht mehr ausgetreten. In der Dunkelheit wanderten wir zurück zu den Autos und fuhren zurück ins Quartier, um unsere flüssigen Vorräte mit Alkoholanteilen zu vernichten. Am nächsten Morgen gab es von Sant' Alfio aus einen tollen Blick auf den Ätna. Der dunkle Streifen am linken Bildrand ist der frische Lavastrom von vor zwei Tagen.

Ätna
ÄtnaFrank-Marc Siebert Sant' Alfio, 12.04.2011

Mit einem 300mm-Tele war der aktive Nebenkrater gut zu erkennen.

Ätna
ÄtnaFrank-Marc Siebert Sant' Alfio, 12.04.2011

Neben dem fantastischen Blick auf den Ätna hat Sant Alfio noch etwas anderes zu bieten: Den Kastanienbaum der hundert Pferde! Es soll sich dabei um eine Kastanie handeln, deren Alter auf 2.000 bis 4.000 Jahre geschätzt wird. Er wird als einer der ältesten Bäume Europas angesehen.

Castagno dei cento Cavalli
Castagno dei cento CavalliFrank-Marc Siebert Sant' Alfio, 12.04.2011

Die etwas des oberhalb Baumes verlaufende Straße zeigte uns den Baum vor dem Ätna. Den Berg so frei ohne Wolken sehen zu können, kommt eher selten vor. Die Rauchfahne über dem Berg sind Gase, die der Hauptkrater ausstößt.

Castagno dei cento Cavalli und Ätna
Castagno dei cento Cavalli und ÄtnaFrank-Marc Siebert Sant' Alfio, 12.04.2011

Nun mussten wir langsam Richtung Flughafen Catania fahren. Das andere Auto fuhr voraus und meldete, dass im Bahnhof Acireale eine V100 steht. Also mussten wir da auch noch vorbei. Sie stand recht fotogen mit Ätna im Hintergrund.

V100
V100Frank-Marc Siebert Acireale, 12.04.2011

Die Lok gehört der Impresa Francesco Ventura in Paola und hatte einen Zug mit Altschwellen am Haken, an dem gearbeitet wurde.

V100
V100Frank-Marc Siebert Acireale, 12.04.2011

Eine alte Deutz-Lok stand in Acireale auch noch abgestellt.

Deutz-Lok
Deutz-LokFrank-Marc Siebert Acireale, 12.04.2011

Damit war der Sizilientrip zuende. Der Flieger startete Richtung Nordosten und gönnte uns nochmal einen Blick auf Catania und den Ätna.

Catania und Ätna
Catania und ÄtnaUlf Häger Catania, 12.04.2011

Wie auch auf dem Hinflug überquerten wir die Liparischen Inseln, hier die Isola Salina, die auch vulkanischen Ursprungs ist.

Isola Salina
Isola SalinaUlf Häger Lufhansa Italia A319, 12.04.2011

Über den Verbleib der Di3.630 haben wir bisher nichts Neues in Erfahrung bringen können. Möglicherweise wurde sie nun tatsächlich zerlegt. Ansonsten war die Tour sehr erfolgreich, endlich haben wir dort eine Di3 auf der Strecke erlebt und wurden als Zugabe auch noch mit einem Vulkanausbruch verwöhnt! Ach ja, das Wetter war auch sensationell und Land und Leute lohnen immer einen Besuch!