NOHAB-GM

Informationen zur NSB-Baureihe Di3

Nach dem Krieg wollte GM auch die Norwegische Staatsbahn NSB als Kunden für ihre dieselelektrischen Lokomotiven gewinnen. Gemeinsam mit den ersten vier MY-Loks für die DSB fertigte NOHAB eine weitere Maschine, die als Demonstrator mit der Seriennummer 2246 für Vorführfahrten eingesetzt werden sollte. Sie wurde 1954 fertiggestellt und bereits im September noch unfertig auf der Jubiläumsausstellung 100-Jahre Eisenbahn in Filipstad/Norwegen ausgestellt. Sie ging dann zur Komplettierung nochmals zurück nach Trollhättan, um am 13.10.1954 an die NSB übergeben zu werden. Bereits im August des gleichen Jahres führte NOHAB in Norwegen den G12-Demonstrator 7707 vor. Diese "road-switcher"-Lok mit Mittelführerstand und dem 12-Zylinder-Motor GM 12-567 B wurde noch bei GM in Kanada hergestellt und per Schiff nach Europa transportiert.

Die zunächst als 64.2246 bezeichnete Rundnasen-Lok wurde von NOHAB im Gegensatz zur MY-Serie allachsangetrieben (Co'Co') und mit einer reduzierten Höchstgeschwindigkeit von 105 km/h geliefert. Die NSB testeten die Lok nach der Übernahme ausgiebig vor allem auf den Strecken in den Norden. Im Jahr 1955 ging die 2246 auf Vorführfahrt nach Südosteuropa und gelangte bis Ankara in die Türkei. Nach ihrer Rückkehr wurde sie zunächst von der NSB angemietet und weiter auf der Nordlandbahn eingesetzt. Nachdem die NSB auch dieselhydraulische Loks aus Deutschland getestet hatte, entschied sie sich schließlich zur Beschaffung der dieselelektrischen Variante von GM. Damit wurde die NSB die zweite Staatsbahn, die bei NOHAB GM-Loks bestellte. Ab 1957 wurden die Di3-Lokomotiven an die NSB ausgeliefert, die erste Serie umfasste die Di3.603-621. Die bisherige Mietlok 64.2264 wurde 1957 ebenfalls erworben und als Di3.602 eingereiht. Die Nummer 601 blieb unbesetzt, weil es bereits mit der Di1.601 eine Lok mit dieser Ordnungsnummer gegeben hatte und die NSB ihre Loks einfach fortlaufend durchnummerierte.

Di3.602

Di3.602

Frank-Marc Siebert

Di3.602 im Demonstrator-Design bei Verma, 18.06.2007

Im Gegensatz zur Di3.602, die die übliche Länge von 18.900 mm besaß, bestellte die NSB ihre Loks mit einer verkürzten Gesamtlänge von 18.600 mm. Um die Mietlok 602 der Serie anzupassen, wurde zur Übernahme der Motor 567 B gegen den Typ GM 16-567 C getauscht. Alle Maschinen waren auf 1.775 PS eingestellt worden und besaßen ebenso wie die 602 eine Höchstgeschwindigkeit von nur 105 km/h.
Nachdem NOHAB die Vorführlok Di3.602 verkauft hatte, wurde mit der Farbiknummer 2402 eine neue gefertigt. Anlass war der Versuch, die Finnischen Staatsbahnen als Kunden zu gewinnen. Damit die Lok in Finnland zu Testfahrten eingesetzt werden konnte, bekam sie Breitspurradsätze. Interessanterweise realisierte NOHAB die auch an die DSB gelieferte Flachland-Achsfolge (A1A)'(A1A)' mit nur 4 Fahrmotoren. Noch bevor die Testfahrten zu Ende gingen oder ein Auftrag plaziert wurde, begann NOHAB mit der Fertigung vier weiterer Breitspurloks. Dummerweise entschieden sich die Finnen gegen die GM-Technik von NOHAB, und nun hatte das Unternehmen ganz plötzlich Loks über. Zwei der vier Breitspurloks wurden, natürlich umgespurt, direkt von der NSB als Di3.641 und 642 im Jahr 1960 gekauft. Noch im gleichen Jahr übernahmen sie auch die Vorführlok als Di3.643. Um diese Maschinen von den Co'Co'-Loks zu unterscheiden, wurde für sie die Unterbauart Di3b eingeführt, während die Serie nun als Di3a bezeichnet wurde. Alle Di3b besaßen eine abweichende Höchstgeschwindikeit von 143 km/h. Die anderen beiden Breitspurloks befanden sich zu dem Zeitpunkt noch in der Fertigung, und so konnte die Achsfolge für die NSB noch an die Serie (Co'Co') und die Übersetzung für 105 km/h Höchstgeschwindigkeit angepasst werden. Sie bekamen deswegen die Nummern Di3.622 und 623 der Unterbauart Di3a und wurden ebenfalls 1960 übernommen. Allerdings besaßen alle diese fünf im Jahr 1960 erworbenen Maschinen die Standardlänge von 18.900 mm!

Di3.617

Di3.617

Georgy Lejeune

Die rotbraune Di3.617 und eine weitere Di3 in Fauske, Juli 1989

Schließlich bestellte die NSB zwei weitere Bauserien der Variante Di3a mit der Länge 18.600 mm. Die erste Serie bestand aus Di3.624 bis 629, wurde im Jahr 1965 ausgeliefert und bekam den neuen Motor GM 16-567 D1. Die zweite Serie umfasste die Loks Di3.630 bis 633 und wurde 1969 mit dem Motor GM 16-567 E ausgeliefert. Die Leistung wurde mit 1.775 PS beibehalten. Damit hatte die NSB insgesamt 35 Rundnasen-Loks von NOHAB erhalten.

Die NSB-Maschinen der ersten Serie sowie die Di3b wurden in einer grünen Lackierung mit Flügelrad auf den Fronten ausgeliefert. Das Flügelrad beinhaltete den Schriftzug NSB. Die rot lackierten Frontschürzen bzw. Schneeräumer verliehen den Loks ein markantes Aussehen. Später wurde an den Seiten ein weißer Streifen ergänzt, der von Flügelrad zu Flügelrad verlief. Als typisches Merkmal der NSB-NOHABs erhielten die Frontscheiben der meisten Loks Schutzgitter, die die Lokmannschaft gegen Eiszapfen und Steinschlag schützen sollte. Ab 1962 begann die NSB, ein neues Farbschema einzuführen. Dabei bekamen die Loks eine rotbraune Grundfarbe mit gelben Seitenstreifen. Das Flügelrad wurde deutlich verkleinert und ebenfalls in gelb angebracht. Die Loks der letzten beiden Serien (Di3.624 - 633) wurden bereits von NOHAB in diesem Farbdesign ausgeliefert. Zwischenzeitlich wurden statt der Frontschürzen feste Schneeräumer montiert.
Bereits in den 60er-Jahren begann die NSB damit, die jeweilige rechte Tür der Führerstände zuzuschweißen. Damit sollte den Lokführern besonders in den kalten Wintern ein warmer Arbeitsplatz gesichert werden, denn die Türen schlossen nicht immer gut. Die letzte Serie der Di3 (630 bis 633) wurde von NOHAB bereits ohne Tür geliefert.
Ab 1985 erhielten die Loks erneut eine neue Farbgebung, das sogenannte Nydesign. Jetzt kam als Grundfarbe ein kräftiges Rot zur Anwendung. Die Zierstreifen entfielen ebenso wie das Flügelrad. Dafür wurde die Loknummer deutlich größer auf allen vier Seiten angebracht. Die Seiten erhielten zudem das neue NSB-Logo (ohne NSB-Schriftzug). Besonders auffällig wurde diese Farbgebung durch die in kontrastierendem gelb gehaltenen Griffstangen, Aufstiegsleitern und Schneeräumer. Um die Sicht auf die Strecke zu verbessern, wurden oberhalb der Frontscheiben zusätzliche Halogenscheinwerfer montiert.

Di3.631

Di3.631

Klaus Korbacher

NSB Di3.631 und Di3.622 in Mo i Rana vor Güterzug, August 1999

Als die NSB damit begannen, die Dampfheizkessel gegen Hilfsdiesel mit Generator als elektrische Heizung auszutauschen, wurde es auf den betroffenen 25 Loks auf dem benachbarten Führerstand 2 sehr laut. Das führte dazu, dass die Lokführer ihre Lok an den Endbahnhöfen gerne drehten, um den leiseren Führerstand 1 in Fahrtrichtung zu haben. Aus diesem Grund wurden dann ab Ende der 80er-Jahre die vergitterten Frontscheiben nur beim Führerstand 1 durch Sicherheitsglasscheiben ersetzt. Diese neuen Scheiben waren duch ihre breiten Metallrahmen sehr auffällig. Im Jahr 1987 wurde Di3.612 wegen eines Brandschadens als erste ausgemustert und im Jahr 1988 zerlegt. Durch die 1981 gelieferten fünf Di4-Lokomotiven von Henschel konnte auf diese Lok verzichtet werden. 1992 bestellte die NSB bei MaK in Kiel, die kurze Zeit später von Siemens übernommen wurden, 12 Loks der Baureihe Di6. Diese Loks sollten die Di3, die vor allem vor schweren Güterzügen in Doppeltraktion eingesetzt wurden, ablösen. Aber es kam anders. Die Di6 konnten erst 1997 ausgeliefert werden und wurden wegen zahlreicher Mängel bereits 1999 wieder an Siemens zurückgegeben. Dadurch wurden die Di3 bis ins Jahr 2000 hinein eingesetzt, zum Jahreswechsel 1999/2000 waren noch 16 Loks in Betrieb. Am 04.01.2000 verunglückte die Di3.625 bei Åsta und wurde an Ort und Stelle verschrottet. Eigentlich hätte dann zum Fahrplanwechsel am 11.06.2000 Schluss sein sollen. Doch einige Loks erhielten im Rahmen einer Überholung Fristverlängerungen bis zum 06.01.2001. Am 26.12.2000 zogen dann die Loks Di3.623 und 629 als letzten mit Di3 bespannten Personenzug den Regionalzug 2303 von Hamar nach Trondheim. Die Loks waren dem Anlass entsprechend geschmückt und beschriftet worden. Doch damit war noch immer nicht Schluss, die Loks wurden auch über den Jahreswechsel hinaus eingesetzt. Die letzte Fahrt einer NSB-Di3 erfolgte als Zuglok hinter einer Di4 im Nachtzug 476 zwischen Bodø und Trondheim, und zwar in der Nacht vom 05. auf den 06.01.2001. Es war die Di3.629.

Von den Ende 2000 noch vorhandenen Di3 verkaufte die NSB fünf Loks an die Ofotbanen, und zwar die 623, 629 und 632 sowie die 603 und 621 als Ersatzteilspender. Inzwischen sind die Loks an die Inlandsbanan nach Schweden verkauft worden. Die Di3.628 wurde an Jernbaneverket verkauft und wurde gelb umlackiert. Beim NSB-Museum verblieben die Di3.616 (rotbraun) und die 602 (Demonstrator-Design) sowie die 610 und 615 als Ersatzteilspender. Zwischenzeitlich haben die Inlandsbanan und das NSB-Museum die 603 und die 615 getauscht. Die Di3.642 verblieb als neurote Betriebslok bei der NSB und wird gelegentlich eingesetzt. Vier Loks (Di3.619, 633, 641 und 643) wurden als Aufbauhilfe ins Kosovo verschenkt und bestreiten dort vor allem den Personenverkehr. Vier weitere Di3 (622, 626, 630 und 631) wurden an die italienische Gleisbaufirma Esposito (heute Globalfer) verkauft, die sie auf Sizilien einsetzt. Die Di3.605 wurde von der schwedischen Privatbahn TÅGAB in Kristinehamn als Ersatzteilspender gekauft und hinterstellt. Alle anderen Di3-Lokomotiven wurden verschrottet.

Di3.628

Di3.628

Frank-Marc Siebert

Die gelbe Di3.628 in Hauerseter, 19.06.2007

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